Hamsterrad & Leistung
Leistungsdruck loslassen: Ziele ohne Selbstangriff
Mit 17 weinte Hubert über Platz zwei. Heute sieht er übertriebenen Ehrgeiz als Sackgasse – und Selbstannahme als einen anderen Weg.
Kurzantwort
Worum geht es?
Leistungsdruck lässt sich nicht dadurch lösen, dass du dich noch effizienter antreibst. Hubert lernte, Ziele von seinem Selbstwert zu trennen: Er darf leisten, ohne sich bei einem zweiten Platz oder Fehler abzuwerten. Sein Weg führt über Selbstbeobachtung, Vergebung alter Urteile und die Erinnerung, auch ohne Sieg liebenswert zu sein.
Leistungsdruck klingt oft wie etwas, das von außen kommt: eine anspruchsvolle Arbeit, Konkurrenz, Erwartungen in der Familie oder messbare Ziele im Sport. Hubert beginnt an einer anderen Stelle. Er sagt: „Ich habe mich immer unter Druck gesetzt.“ Damit leugnet er äußere Anforderungen nicht. Er schaut auf den Teil, den er selbst ständig mitgetragen hat – höchste Ziele, übertriebene Erwartungen und die Vorstellung, besser sein zu müssen als andere.
Als Platz zwei sich wie Scheitern anfühlte
Hubert erzählt im Video von seinem Sportlergeist und seiner Zeit im Spitzensport. Mit ungefähr 17 Jahren erreichte er bei einem Wettkampf den zweiten Platz und weinte auf dem Podest. Für ihn brach damals, wie er es ausdrückt, eine Welt zusammen. Er konnte kaum annehmen, dass jemand besser gewesen war. Von außen war Platz zwei ein großer Erfolg. Innen wurde er zum Beweis, nicht gewonnen zu haben.
„Wenn ich nur den zweiten Platz gemacht habe, mit so 17 Jahren, dann habe ich geweint am Podest.“
Hubert Schlaucher, Video „Leistungsdruck“
Diese Szene zeigt den Unterschied zwischen Leistung und Leistungsdruck. Leistung beschreibt, was du tust oder erreichst. Leistungsdruck verbindet das Ergebnis mit einem Urteil über dich. Dann ist ein zweiter Platz nicht einfach ein Ergebnis, sondern eine persönliche Niederlage. Ein Fehler ist kein Vorgang mehr, sondern scheinbar der Beweis, selbst falsch zu sein.
Wenn Ehrgeiz einsam macht
Hubert bezeichnet seinen damaligen Ehrgeiz rückblickend als übertrieben. Er sagt, die Erwartungshaltung habe ihm nicht gutgetan und ihn einsam gemacht, weil er immer besser sein wollte als die anderen. Das ist seine persönliche Bilanz. Ehrgeiz ist damit nicht generell verurteilt. Er kann Energie bündeln, Übung tragen und Freude an Entwicklung ausdrücken. Doch sobald andere Menschen vor allem zu Gegnern werden, verliert der Erfolg Verbindung.
Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur: Wie hoch ist mein Ziel? Sondern: Was geschieht mit mir und meinen Beziehungen auf dem Weg dorthin? Werde ich eng, hart und abwertend? Kann ich mich über die Leistung eines anderen freuen? Darf ich lernen, ohne mich für den Lernbedarf zu schämen? Ziele zeigen ihre Qualität auch daran, welcher Mensch du während ihrer Verfolgung wirst.
Der andere Weg
Mit dem Leben und mit der Geistesschulung aus Ein Kurs in Wundern habe er einen anderen Weg gelernt, sagt Hubert. Er brauche sich nicht mehr unter Druck zu setzen. Er genüge, wie er jetzt sei, und könne sich so lieben. Diese Sätze sind keine Aufforderung, Entwicklung einzustellen. Sie verändern die Reihenfolge: Du musst nicht erst gewinnen, um Annahme zu verdienen. Aus Annahme heraus kannst du lernen, trainieren und Ziele verfolgen.
Selbstannahme ist nicht Selbstüberschätzung. Sie bedeutet nicht, jede Leistung großartig zu finden oder Rückmeldung abzuwehren. Sie bedeutet, ein Ergebnis anzuschauen, ohne daraus einen Angriff auf die eigene Person zu machen. So wird Korrektur sogar leichter. Wer seinen Wert nicht verteidigen muss, kann ehrlicher sehen, was noch geübt werden darf.
Würdest du dich selbst heiraten?
Hubert erinnert sich an ein Gespräch mit einem amerikanischen Wissenschaftler. Einen Namen oder weiteren Kontext nennt das Transkript nicht; die Begegnung wird deshalb nur als Huberts Erinnerung wiedergegeben. Der Mann stellte ihm eine ungewöhnliche Frage: „Würdest du dich selbst heiraten?“ Hubert bemerkte, dass ihm einiges an sich nicht gefiel.
Die Frage ist kein Test und keine wissenschaftliche Methode. Als Bild ist sie dennoch stark. Würdest du mit dir so sprechen, wie du mit einem geliebten Menschen sprichst? Würdest du jemandem, den du liebst, nach Platz zwei erklären, er sei nicht genug? Würdest du ihm jede Pause vorwerfen und jeden Fehler jahrelang nachtragen? Oft zeigt sich Leistungsdruck im Ton der inneren Beziehung.
Hubert nennt die abwertenden Ideen Dinge, die vergeben werden dürfen. Vergebung meint hier, alte Urteile nicht endlos zu wiederholen. Sie macht ein Verhalten nicht automatisch richtig und ersetzt keine Verantwortung. Sie beendet den Versuch, sich durch ständige Selbstkritik zu einem besseren Menschen zu schlagen.
Ziele ohne Selbstangriff
Ein Ziel ohne Selbstangriff ist konkret und anspruchsvoll, aber nicht identisch mit deinem Wert. Du kannst sagen: Ich möchte diese Leistung verbessern, weil mir die Sache wichtig ist. Statt: Ich muss gewinnen, sonst bin ich nichts. Der erste Satz erlaubt Lernen. Der zweite erzeugt Angst vor jeder Information, die nicht zum gewünschten Selbstbild passt.
Auch der Körper verrät häufig, welcher Satz gerade führt. Wird der Atem flach? Ziehen sich Schultern und Kiefer zusammen? Arbeitest du schon lange über eine vernünftige Grenze hinaus? Solche Signale sind keine Schwäche. Sie können eine Erinnerung sein, kurz anzuhalten und die Aufgabe neu zu betreten.
Eine neue Form von Stärke
Hubert wiederholt am Ende des Videos: Du bist liebenswert. In seiner Sprache braucht es Schulung und Erinnerung, damit dieser Gedanke glaubwürdig wird. Das ist seine spirituelle Erfahrung, keine Garantie, dass ein Satz jeden Druck sofort löst. Gerade alte Leistungsmuster können hartnäckig sein. Bei starker oder dauerhafter Belastung kann psychotherapeutische oder ärztliche Unterstützung sinnvoll sein; Coaching ersetzt sie nicht.
Die neue Stärke besteht nicht darin, keinen Ehrgeiz mehr zu haben. Sie besteht darin, Erfolg zu wollen, ohne sich vom Ergebnis verurteilen zu lassen. Du darfst enttäuscht sein. Du darfst analysieren, trainieren und noch einmal antreten. Und du darfst zugleich wissen: Ein Platz auf dem Podest beschreibt eine Leistung an einem Tag. Er sagt nicht, wie liebenswert du bist.
So wird Loslassen nicht zum Aufgeben. Es ist das Loslassen jener inneren Gewalt, die behauptet, nur Druck bringe dich voran. Vielleicht entdeckst du, dass Sorgfalt, Freude und Verbundenheit ebenso tragfähige Kräfte sind – und dass Ziele leichter werden, wenn du dich auf dem Weg nicht mehr bekämpfen musst.
Für heute
Ein Ziel vom Selbstwert trennen
- Wähle ein aktuelles Leistungsziel und schreibe auf, was du konkret erreichen möchtest.
- Vervollständige den Satz: Wenn ich das nicht schaffe, bedeutet das über mich …
- Trenne Ergebnis und Person: Formuliere, was du lernen oder verbessern kannst, ohne dich abzuwerten.
- Arbeite heute einen Abschnitt konzentriert und beende ihn mit einer sachlichen Rückschau statt mit Selbstkritik.
Häufige Fragen
Ist Ehrgeiz grundsätzlich ungesund?
Nein. Hubert kritisiert seinen eigenen übertriebenen Ehrgeiz, weil er Ergebnisse mit Selbstwert verband und sich isoliert fühlte. Ehrgeiz kann Freude an Entwicklung tragen, solange Fehler, zweite Plätze und die Leistungen anderer nicht zum persönlichen Angriff werden.
Bedeutet Selbstannahme, dass ich mich nicht mehr verbessern soll?
Nein. Selbstannahme trennt Lernen von Selbstabwertung. Du kannst Rückmeldung ernst nehmen, üben und anspruchsvolle Ziele verfolgen, ohne deinen Wert von jedem Ergebnis abhängig zu machen. Das ermöglicht oft einen sachlicheren Blick auf das, was wirklich verbessert werden kann.
Was heißt Vergebung gegenüber mir selbst?
Hier bedeutet sie, alte abwertende Urteile nicht endlos zu wiederholen. Verantwortung und Korrektur bleiben möglich. Losgelassen wird der Selbstangriff – die Idee, du müsstest dich hart behandeln, um dich verändern oder Liebe verdienen zu können.
Vollständiges Video-Transkript lesen
Ein großes Thema in meinem Leben war auch Stress. Ich habe mich immer unter Druck gesetzt. Kennst du das: dich selber unter Druck zu setzen, höchste Ziele zu setzen? Ich habe ja einen Sportlergeist. Ich war im Sport tätig, also eigentlich im Spitzensport: höchste Ziele zu setzen, sie zu erreichen. Und wenn ich nur den zweiten Platz gemacht habe, mit so 17 Jahren, dann habe ich am Podest oben geweint. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich habe das nicht verstehen können, dass da einer besser ist als ich. Ich war so etwas von ehrgeizig. Dieser übertriebene Ehrgeiz, diese übertriebene Erwartungshaltung an mich, die hat mir überhaupt nicht gutgetan. Das hat mich nur einsam gemacht: keine Freunde, weil ich immer besser sein wollte als alle anderen. Und das ist eine Sackgasse, das war für mich eine Sackgasse. Und mit dem Kurs und durch das Leben, mit der Geistesschulung des Kurses und durch das Leben habe ich gelernt: Nein, es gibt einen anderen Weg, es gibt einen besseren Weg. Ich brauche mich nicht mehr unter Druck zu setzen. Ich genüge auch so, wie ich jetzt bin. Ich kann mich ja so lieben, wie ich jetzt bin. Und ich habe einmal ein Gespräch mit einem amerikanischen Wissenschaftler geführt, der zu mir gesagt hat, er hat mir eine Frage gestellt: „Würdest du dich selbst heiraten?“ Und dann habe ich mir gedacht: „Na, das und das gefällt mir nicht.“ Und dann habe ich gesagt: „Genau das sind die Ideen, die du vergeben darfst, weil du nämlich total liebenswert bist. Du bist total liebenswert, ihr seid total liebenswert. Aber wir brauchen eine Schulung, eine Erinnerung, die uns das zeigt: dass wir total liebenswert sind.“
Quellen und Einordnung
Die Auslegung auf dieser Seite ist Huberts persönliche Erfahrung und nicht die offizielle Interpretation der Rechteinhaber von Ein Kurs in Wundern®.
Nächster Schritt
Coaching anfragen
Wenn du an diesem Punkt nicht allein weitergehen möchtest, schaut Hubert im Erstgespräch mit dir auf den nächsten Schritt.

